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  • shirintjandra

Was bedeutet für uns „krank sein“?

Wort den Parteien Oktober 2020

Wenn wir krank sind, gehen wir zum Arzt. Dieser verschreibt einem bei Bedarf Medikamente oder Kiné-Stunden. Alles „normal“. Ist der Gang zum Arzt genauso selbstverständlich für uns, wenn uns etwas seelisch belastet?

Laut einer EU-Studie waren 2016 17,9% der Belgier von psychischen Krankheiten betroffen. Es ist wichtig diese Probleme schnell zu erkennen und entsprechend zu handeln, um Folgen wie Burnout, Angstzustände, Suchtverhalten oder Depression möglichst früh zu begegnen. Unter Umständen kann das nicht nur Auswirkungen auf soziale Beziehungen haben, sondern auch auf den Beruf. Wieso wird also ein solch wichtiges Thema immer noch stigmatisiert, obwohl es genauso zu uns gehört, wie ein Schnupfen?

Hierbei spielen die Sozialen Medien eine große Rolle, vor allem bei jungen Menschen. Auf Plattformen wie Facebook, Instagram, TikTok & Co werden einerseits durch bestimmte Idealbilder unrealistische Erwartungen geweckt und andererseits sind viele Menschen dort Hasskommentaren ausgesetzt.

Wir sind der Meinung: Hier muss ein Umdenken stattfinden! Vereinzelt setzen sich schon Menschen (oder auch Marken) diesen Idealbildern entgegen, zeigen die Realität mit ihren Unperfektheiten, benutzen keine Filter, prangern Hasskommentaren bewusst an und ermutigen andere Menschen dazu, sich selbst mit all ihren Ecken und Kanten zu akzeptieren.

Genau dieses Umdenken muss man fördern – und das am besten schon in der Schule. Schüler*innen müssen viel mehr als bisher für den Umgang mit der mentalen Gesundheit sensibilisiert werden. Sie sollten viel besser darüber informiert und dazu ermutigt werden bei Bedarf um Hilfe zu bitten und ganz besonders muss klar gemacht werden: Keiner muss sich schämen.


Natürlich gibt es bereits gewisse Anlaufstellen, die von Betroffenen kontaktiert werden können oder Kampagnen, die zu dieser Thematik sensibilisieren. Dennoch sollte man die Reichweite und Präsenz dieser Hilfen in unseren Augen nochmal überprüfen und mehr investieren.


Fühlst du dich oft down, allein gelassen, ausgelaugt oder Ähnliches? Wird dir einfach alles zu viel oder bist du verzweifelt? Rede darüber! Familie oder gute Freunde können ein Anfang sein. Sollte das nicht möglich sein, kannst du dich auch an das Beratungs- und Therapiezentrum oder die anonyme Telefonhilfe wenden. Alles ist besser als nichts tun! Und solltest du mal auf der anderen Seite stehen und jemand vertraut sich dir an, versuche nicht das Problem kleinzureden. Höre einfach zu und sei da. Ein Gespräch führt vielleicht nicht direkt zur Heilung, aber es tut dem Betroffenen definitiv gut.


Cédric Falter und Shirin Tjandra, Vorsitzende der Jungen Mitte

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